Das Rote Kreuz und Solferino

 

Die Schlacht von Solferino

Die Schlacht von Solferino fand am 24. Juni 1859 statt. Französische unf Piemontesische Truppen kämpften gegen die Österreicher, die als Besatzungsmacht das heutige Norditalien belagerten. Kaiser Franz Josef von Österreich verlor hier die erste Schlacht, die er selbst kommandierte. An diesen Tag starben über 40.000 Soldaten auf beiden Seiten. Henry Dunant, ein Geschäftsmann aus Genf kam am 27. Juni 1859 in Solferino an und entdeckte auf dem Schlachtfeld Tausende Verwundete, die langsam ihren Verletzungen erlagen. Erschüttert über diese Umstände mobilisierte er die Befölkerung und organisierte erste Hilfsmaßnahmen um dieses Leid zu lindern, und den Sterbenden Beistand zu gewähren. Wenig später kehrte er nach Genf zurück, um die Hilfe für verwundete Soldaten weiter auszubauen. 1862 veröffentlichte Henry Dunant in Genf auf seine eigene Kosten "Eine Erinnerung an Solferino", ein Werk, in dem er seine Erinnerungne an die Schlacht verarbeitet.

Eine Erinnerung an Solferino

Die Orginalausgabe des Buches ist im Musee Croix Rouge Geneve zu sehen.

Zitate aus dem Werk von Henry Dunant

... Geschlossene Kolonnen drängen gegeneinander mit dem Ungestüm zerstörender Wildbäche, die alles vernichten, was ihnen im Wege steht. Französische Regimenter greifen in Schützenlinien die österreichischen Massen an, die immer neue Verstärkung erhalten, immer zahlreicher und immer drohender werden und die, Mauern aus Erz gleich, dem vorstürmenden Gegner Widerstand leisten. Divisionen legten die Tornister ab, um dem Feind besser mit dem Bajonett angreifen zu können. Ist ein Batallion zurückgeworfen, wird es sofort durch ein neues ersetzt. Um jeden Hügel, jede Erhebung, jeden Felsvorsprung wird hartnäckig gekämpft. Leichenhaufen liegen auf den Höhen und in den Hohlwegen. ...

... An anderer Stelle wütet ein ähnlicher Kampf. Er wird schreckicher  durch das Nahen einer Reiterschwadron, die im Galopp anstürmt. Die Pferde zertreten mit ihren beschlagenen Hufen Tote und Verwundete. Einen armen Blessierten wird die Kinnlade fortgerissen, einem anderen der Kopf eingeschlagen, einem dritten, den man hätte retten können, die Brust eingedrückt. In das Wiehern der Pferde mischen sich Verwünschungen, Wutgeschreie, Schmerz - und Verzweiflungsrufe. Den Reitern folgt in gestrecktem Lauf bespannte Artillerie. Sie bahnte sich ihren Weg über Tote und Verwundete, die auf dem Boden liegen. Gehirn spritzt aus den zerplatzten Köpfen, Glieder werden gebrochen und zermalmt, Körper werden zu formlosen Massen. Die Erde wird buchstäblich mit Blut getränkt. Und die Ebene ist übersäht mit unkenntlichen Resten von Menschen  ...

 ... Sollte nicht der Anblick der jungen Invaliden, die einen Arm oder ein Bein verloren haben, und die traurig nach Hause zurückkehren, Gewissensbisse bei uns erwecken oder zumindest ein Bedauern, dass wir nicht alles versucht haben, um den vergeblichen Folgen von Wunden zu begegnen, die durch schnelle und wirksame Hilfe noch hätte geheilt werden können? ...

... Das Personal der Feldlazarette reicht niemals aus; selbst wenn es nur doppelt oder dreimal so stark wäre, könnte dies doch nicht genügen, und so wird es auch immer bleiben. Daher ist es unvermeidlich, dass man auf die Hilfe der Befölkerung zurückgreifen muss, man ist dazu gezwungen, und man wird immer hierzu gezwungen sein, denn nur durch Zusammenarbeit mit der Befölkerung wird man das Ziel erreichen, um das es sich hier handelt. Daher muss man einen Aufruf erlassen, eine Bittschrift an Männer aller Länder und aller Stände, an die Mächtigen dieser Welt wie an die einfachen Handwerker, denn alle können auf die eine oder andere Weise, jeder in seinem Kreise und seiner Krft gemäß, irgend etwas zu diesem guten Werke beitragen.

Ein solcher Aufruf müsste sich gleichermaßen an Frauen und Männer wenden, an die Prinzessin zu den Stufen des Thrones ebenso wie an das einfache Dienstmädchen, das als Weise aufgewachsen in ihrer niedrigen Arbeit aufgeht, oder an die arme Witwe, die niemanden mehr hat in der Welt und ihre letzte Kraft dem Wohle des Nächsten opfern will. Er müsse sich an den General ebenso wenden wie an den Philanthropen oder den Schriftsteller, der von seinem Schreibtisch aus dank seiner Begabung durch Veröffentlichungen die Frage weiterleiten könnte, welche die ganze Menschheit angeht und im besonderen Sinne jedes Volk, jede Gegend und auch jede Familie, denn niemand kann mit Sicherheit sagen, dass er für immer Schutz genießt gegen die Wechselfälle des Krieges. Wenn ein österreichischer und ein französischer General Seite an Seite an der gastlichen Tafel des Königs von Preußen sitzen und sich freundschaftlich unterhalten können, was sollte sie daran hindern, gemeinsam eine Frage zu untersuchen und zu besprechen, die es so wert ist, ihre Teilnahme und ihre Aufmerksamkeit zu erregen?