Vierbeinige Therapeuten sind gefragt

Selbst ungewohnte Rollstühle bringen den einjährigen Leonberger
»Chance« nicht aus der Fassung. Hundetrainerin Eva Fuhrmann von
links), Bundesfreiwilligendienstler Alban Shabani und Hundebesitzerin
Heide Bükenhans macht die Übung sichtlich Spaß. Foto: Schneider
Zahlreiche Bewerberteams erscheinen zur Auswahlrunde für den Hundebegleitdienst im Haus Ravensberg
Von Christina S c h n e i d e r
B o r g h o l z h a u s e n(WB). Wenn die drei Vierbeiner vom Hundebegleitdienst des Altenheims »Haus Ravensberg« zu Besuch kommen, ist die Freude bei den Bewohnern groß. Um das Team zu verstärken, haben sich Hundetrainerin Eva Fuhrmann und Sozialarbeiterin Ingrid Stolte am Wochenende nun um tierischen Nachwuchs bemüht. »Die wichtigste Eigenschaft, die ein Begleithund mitbringen muss, ist ein Grundinteresse für den Menschen und die Geduld, sich von vielen unbekannten Personen streicheln zu lassen«, sagt Eva Fuhrmann. Im Gegensatz zu trainierbaren Fähigkeiten wie dem Reagieren auf Befehle, müsse diese Eigenschaft im Wesen des Hundes von Grund auf verankert sein. Schon bei den Eignungstest sstellte sich allerdings schnell heraus, dass die meisten der vierbeinigen Bewerber diese Hürde mit Bravour genommen haben. Auch ein hohes Maß an Duldungsfähigkeit und ein geringes Aggressionspotenzial beeindruckte die Hundetrainerin, ebenso wie das große Vertrauen zwischen Hund und Herrchen. Deutlichere Unterschiede zwischen den Hunden kristallisierten sich dafür aber in Übungen heraus, die die Gehorsamkeit abfragten. So wurde beispielsweise ein Servierwagen durch den Raum geschoben, auf dem einige Hundeleckerlis ausgelegt waren. Während einige Hunde dieser Versuchung nicht widerstehen konnten, zeigten andere Disziplin und kamen dem Ziel Begleithund zu werden ein Stück näher. Die konzentrierten Blicke vonHunden und Herrchen bei den zahlreichen Übungen, die an Alltagssituationen in einem Altenheim angelehnt waren, zeigten, wie gerne die vierzehn Paare an dem sozialen Projekt »Ehrenamtlicher Hundebegleitdienst« teilnehmen würden. Birte Knaust, die mit ihrem Jack Russel-Mischling Linus bereits im dritten Jahr in dem Hundebegleit-Team ist, kann die Motivation der Besitzer nachvollziehen: »Ich wollte mich immer gerne ehrenamtlich engagieren. Doch da ich berufstätig bin und noch einen Hund zu Hause habe, der immer bespaßt werden möchte, war es schwer, eine geeignete Aktivität zu finden. Der Hundebegleitdienst ist daher perfekt, denn so kann ich mich mit meinem Tier sozial engagieren.« Sie habe darüber hinaus die Erfahrung gemacht, dass Hunde wie Türöffner zu anderen Menschen wirken. Diesen Eindruck bestätigten auch die Bewohner des Haus Ravensberg selbst, die bei den 20-minütigen Eignungstests immer wieder vorbeischauten und ihre potenziellen Schützlinge inspizierten. Selbst von großen Hunden wie pelzigen Neufundländern oder sanftmütigen Riesen wie einem Leonberger ließen sie sich nicht abschrecken. Um als eines der sechs neuen Teams für den Hundebegleitdienst ausgewählt zu werden, mussten sich jedoch nicht nur die Vierbeiner von ihrer besten Seite zeigen. Sozialarbeiterin Ingrid Stolte achtete auch auf die Besitzer und erklärte, dass diese ebenso menschen- und kontaktfreudig sein sollten wie ihre Hunde. Außerdem sollten sie über eine soziale Grundeinstellung verfügen. Ein ausgeprägtes Helfersyndrom sei jedoch wenig förderlich. Am Ende jedes Tests bekamen die Bewerber eine kurze Rückmeldung sowie Tipps von der langjährigen Hundetrainerin mit auf den Heimweg. Im Laufe der kommenden Woche erhalten maximal sechs Paare Bescheid, ob sie für die etwa dreimonatige Besuchshundeausbildung und den anschließenden Hundebegleitdienst im Haus Ravensberg ausgewählt wurden.
