Mit 70 Jahren noch Vollzeit im Einsatz

Seinzweites Zuhause: Werner Petrucha pflegtimHausRavensberg in Borgholzhausen die Grünanlagen, erledigt kleinere Reparaturen oder sammelt Wäsche ein. FOTO:SANDRA SPIEKER
Werner Petrucha ist einer der ältesten TeilnehmeramBundesfreiwilligendienst inNRW/ Arbeit im Pflegeheim hält ihn fit
Punkt acht Uhr morgens. Werner Petrucha macht seine Runde im DRK-Pflegeheim Haus Ravensberg in Borgholzhausen imKreis Gütersloh. Er sammelt schmutzigeWäsche ein und bringt sie zur Sammelstelle im Keller, hält hier einen Plausch mit einer Bewohnerin, wechselt dort ein nettes Wort mit der Pflegekraft.
VON SANDRA SPIEKER. Borgholzhausen. Rumsitzen und die wohlverdiente Rente genießen, das ist nichts für den 70-Jährigen. Er ist einer der ältesten Bundesfreiwilligendienstle rin NRW. Für ihn ist es „völlig normal“, dass viele seiner Kollegen nur halb so alt sind. „Einfach nur zu Hause herumsitzen und die Wände anstarren ist einfach nichts für mich“, sagt der Borgholzhausener. Nach langen Jahren als Kesselbauer und Maurer hatte er Lust, weiterhin etwas Sinnvolles zu machen. Auf das Haus Ravensberg kam der Borgholzhausener eher zufällig. „Ein Nachbar hat hier gearbeitet“, so der Bundesfreiwilligendienstler. Jetzt ist er dort „Mädchen für alles“, sagt er und lacht. Er kümmert sich um die Haustechnik, füllt die Wäschesäcke, pflegt den Garten rund ums Haus, übernimmt den Fahrdienst für die Bewohner und liefert Essen aus. „Ich schlage nichts ab“, meint er – und holt den Laubsauger aus der Garage. Der Eingangsbereich ist mit alten Blättern und abgestorbenen Ästen übersät. „Hier kann ich an der frischen Luft sein, dann bin ich zufrieden und bleibe fit“, erzählt er bescheiden. Mit einigen Bewohnern hat er sich auch schon angefreundet. Seine besten Freunde allerdings sind die tierischen Bewohner des Pflegeheims: die zwei Kaninchen im Gehege im Eingangsbereich, die Hühner und die Wellensittiche in der Voliere im Aufenthaltsraum, die er täglich versorgt. Sie alle fressen ihm aus der Hand. „Solange die Gesundheit noch mitmacht“, sagt Petrucha, will er täglich arbeiten gehen. Auf 18 Monate ist sein Bundesfreiwilligendienst beschränkt. Die laufen 2012 ab. Heimleiter Erwin Münsberg macht ihm aber Hoffnung auf Verlängerung. Bis zu zwei Jahre dürfen Bufdis beschäftigt werden. Und dann? „Ich kann mir schon vorstellen, Herrn Petrucha danach als geringfügig Beschäftigten zu behalten“, meint er. Menschen wie er würden Lebenserfahrung mitbringen und hätten eine gute Arbeitseinstellung. Aber ein Päuschen zwischendurch bei einer Tasse Kaffee in der sogenannten „Mozartecke“, einer Sitzecke im Garten des Hauses, muss auch sein, findet Petrucha. Nach einem kleinen Plausch mit den Bewohnern zieht es ihn dann aber doch wieder an die Arbeit. „Lange dieFüße stillhalten kann ich nicht.“Die Bewohner haben immer eine Aufgabe für ihn, und „ihr“Werner kann ihnen nichts abschlagen, wenn hier ein Wasserhahn tropft oder dort eine Glühbirne ihren Geist aufgegeben hat. Unter Kollegen bezeichnet er sich als „den Sprücheklopfer“, sagt er – und wirkt dabei doch eher zurückhaltend. „Ich habe immer eine Anekdote auf den Lippen“, meint er. Dass Werner Petrucha sich mit 70 Jahren noch einen Acht-Stunden-Arbeitstag antut, fanden seine Freunde und Bekannten gar nicht überraschend – so kennen sie den rüstigen Rentner eben. Seine Familie – er hat zwei Söhne, zwei Töchter und vier Enkelkinder– bewundert ihn für seinen Elan. „Meine Enkeltochter besucht mich manchmal bei der Arbeit“, sagt er zufrieden. Heimleiter Münsberg zögerte nicht, Petrucha einzustellen. Über mangelnde Bewerberzahlen für den Freiwilligendienst kann er sich nicht beklagen. Die Bufdis, wie sie genannt werden, leisteten wertvolle Arbeit, „aber die Bezahlung steht natürlich in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand“, meint der Heimleiter. Gut 300 Euro bekommt Petrucha pro Monat. Und die Dankbarkeit der Bewohner, denen er jeden Tag helfen kann.
INFO
Keine Bevorzugung des BFD
In Bielefeld sind derzeit 245„Bufdis“ wie Werner Petrucha registriert, in Gütersloh 109, in Paderborn 112, in Höxter 28(jeweils StadtundKreis).´ Im Kreis Minden-Lübbecke verrichten 183 Menschen den Freiwilligendienst, im Kreis Lippe sind es 154 und in Herford (StadtundKreis) 58.´ Die Verwaltung des BFD läuft über Zentralstellen, die die Fördermittel verwalten. Sie stellen auch sicher, dass der BFD gegenüber dem FSJ und dem FÖJ nicht bevorzugt wird.´ Deshalb darf es in einem Bundesland maximal so viele BFD-Plätze geben, wie es FSJ und FÖJ-Plätze gibt. (sap)
