26.03.2011, Heiden, Es ist ein Phänomen unserer Gesellschaft und mittlerweile keine Seltenheit:
Gewalt und aggressive Übergriffe gegen Rettungsdienstkräfte.
Eigentlich möchten sie nur helfen und möglichst schnell in Not geratene Patienten medizinisch versorgen. Doch immer häufiger müssen sich Rettungsdienstmitarbeiter/innen auch gegen körperliche Angriffe zur Wehr setzen, wobei sie nicht selten selbst zu Opfern werden. Dabei geraten sie in die Zwickmühle zwischen rechtlichen Aspekten und ihrem medizinischen Auftrag.
Darf ich mich als Rettungsdienst`ler, wenn nötig, körperlich zur Wehr setzen? Und in welchem Rahmen ist dies gesetzlich vertretbar?
„Ja, natürlich“, sagt Jörg Kerschek der 51jährige Polizeibeamte. Seit den 70iger Jahren beschäftigt er sich ausgiebig weltweit mit Fragen der Selbstverteidigung und taktische Verhaltensweisen.
„Wichtig ist dabei immer die Verhältnismäßigkeit der Mittel, welche auch die Grundlagen des Notwehr-Paragraphen des Strafgesetzbuches ist“, so Kerschek weiter.
Auslöser für die Entwicklung von praktischen Konzepten für die Rettungsdienste war dabei eine Studie mit dem Thema „Gewalt gegen Polizei-Beamte“. Denn auch hier sind die Zahlen der gewaltsamen Übergriffe bedenklich gestiegen.
Rettungsassistenten der Feuerwehr Ennepetal und des Roten Kreuzes aus Witten und Heiden setzten sich am vergangenen Samstag ausgiebig mit dieser Problematik auseinander. In den Räumlichkeiten des DRK – Ortsverein Heiden hieß es am vergangenen Wochenende „Deeskalation im Rettungsdienst mit Tactical Power Defense“.
Tactical Power Defense ist ein Zusammenschluss von Vereinen in Nordrhein Westfalen, die sich zur Aufgabe gemacht haben Selbstverteidigung unter realistischen Bedingungen zu unterrichten und weiterzuentwickeln.
Der Bezug zur täglichen Einsatzpraxis der Teilnehmer bildete die Grundlage für die Fortbildung. Neben Überlegungen zum taktischen Vorgehen und der Einschätzung von dynamischen Situationen und Einsatzstellen, stand die praktische Umsetzung von einfachen Abwehrmöglichkeiten auf dem vierstündigen Programm.
Einfache Techniken waren in Partner- und Gruppenübungen schnell umgesetzt und Jörg Kerschek und seinem Team gelang es, die Rettungsdienstler zu sensibilisieren und handlungsfähig in brenzligen Situationen zu machen.
„Das Seminar war sehr interessant und durchweg praktisch nachvollziehbar. Theorien über Deeskalation sind zwar schön und gut und sicherlich auch ein wichtiges Fundament. Doch wenn es an Einsatzstellen wirklich mal zur Sache geht, dann ist schnelles Handeln gefragt, um nicht selber zum Opfer zu werden – nur weil wir helfen wollen“, so Ortwin Dördelmann, Rettungsassistent und Rotkreuzleiter in Heiden.
„Natürlich haben z.B. Sanitätsdienste, Rettungsdienste und Feuerwehren kein Interesse daran, sich überhaupt körperlich zur Wehr zu setzen. Die vielen Ehren- und Hauptamtlichen haben sich für diesen Bereich entschieden, um anderen in Not geratenen Menschen schnell und professionell zu helfen. Es ist schlimm genug, dass sich diese mittlerweile mit Themen der Selbstverteidigung im Einsatz auseinander setzen müssen,“ so Dördelmann weiter.