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DRK'ler Michael Moczulski rettet Flüchtlinge im Mittelmeer

Michael Moczulski, langjähriger Helfer des DRK Ortsvereins Drolshagen und hauptberuflich Rettungsassistent im Rheinland, verbrachte im Sommer 3 Wochen auf einem Seenotkreuzer im Mittelmeer vor der Lybischen Küste, um dort ehrenamtlich Flüchtlinge zu retten. Michael hat hierzu einen Erfahrungsbericht verfasst, welchen wir hier gerne teilen möchten.


Crew der Minden, von links: Christian, Ich, Michael, Eva, Günther und Dirk
Sichtung des ersten Flüchtlingsboots
Entsichern der Schwimmwesten
Sichtung des zweiten, sinkenden Flüchtlingsboots
Gerettetes Kind aus Flüchtlingsboot
Wachdienst
Beginn des zweiten Einsatzes
Ausgabe der Rettungswesten
Verunreinigtes Flüchtlingsboot
Zerstörung eines Flüchtlingsbootes durch Küstenwache
Mit einem großen Seenotkreuzer werden die Flüchtlinge an das italienische Festland gebracht

Eindrücke von meinem Einsatz auf der Sea-Eye und Minden
sowohl auf Malta wie auch vor der Küste Libyens

Als freiwilliger Helfer war ich ab Mitte August 2016 für dreieinhalb Wochen auf Malta und auf See vor der Küste Libyens in der Seenotrettung für Flüchtlinge aktiv. Im Folgenden möchte ich meine Erlebnisse dort schildern:

Man könnte sich fragen, warum ich meine Erinnerungen und Gefühle an diesen Einsatz öffentlich machen will, obwohl ich weder der kreativste Schreiber noch die Person bin, die seine Gefühle immer klar zum Ausdruck bringen kann. Die Antwort ist ganz einfach: Die Menschen sollen wissen, wie es immer noch vor der Küste Libyens aussieht, auch wenn es nicht mehr in den Medien erscheint. Am besten fange ich mit der Frage an, warum ich mich absichtlich in die Gefahr begeben habe.

Also warum?

Als ich mit 21 Jahren in das DRK eintrat, merkte ich relativ schnell, dass ich in der Hilfe für Menschen in Not einen neuen Weg in meinem Leben einschlagen will. Dies ist auch der Grund, warum ich später Rettungsassistent geworden bin. Aber ich wollte nicht nur in Deutschland helfen, sondern auch außerhalb meiner Heimat Erfahrungen machen. Es dauerte leider neun Jahre, bis ich mir diesen Traum erfüllen konnte.

Zu der Zeit, als die Flüchtlingskrise Deutschland und Europa in Atem hielt, las ich im Stern von einer Organisation namens Sea-Eye aus Regensburg. Diese wollten dem Sterben auf dem Mittelmeer nicht einfach zusehen und hatte einen alten Fischkutter gekauft und für den Einsatz in der Seenotrettung umgebaut. Obwohl ich über keinerlei Hochseeerfahrung verfügte, entschied ich mich, eine Bewerbung als Mediziner einzureichen. Die Entscheidung fiel mir trotz der bereits bekannten Gefahren eines Einsatzes vor der Küste eines Landes, dessen Sicherheitslage bestenfalls als kritisch zu betrachten ist, leicht. Der Grund liegt in meiner Überzeugung, dass man versuchen soll, solange Nützliches zu tun, wie man ungebunden und bei guter Gesundheit ist.

Aus meiner Familie und meinem Freundeskreis bekam ich viel Unterstützung in verschiedener Form, dafür möchte ich mich gerne nochmals bedanken. Langer Rede kurzer Sinn: Ich wurde angenommen, nahm meinen Jahresurlaub und flog am 20.08.2016, fünf Tage nach meinem dreißigsten Geburtstag, zum Ort des Auslaufens, nach Malta.

Die Tage auf Malta

Leider ist über die ersten Tage nicht viel Spannendes zu berichten. Meine Crew fand die Sea-Eye leider in einem desolaten Zustand vor: Sowohl Strom- als auch Wasserversorgung waren auf dem Schiff nicht vorhanden. Dafür stellte ich relativ schnell fest, dass die restliche Besatzung der Sea-Eye aus sehr sympathischen Leuten bestand. Eine meiner größten Befürchtungen vor meiner Abreise war gewesen, dass ich in den zwei Wochen vielleicht nicht mit meiner Mitbesatzung klarkommen würde.

In den ersten Tagen nach meiner Ankunft versuchte ich, den schlechten Zustand des Sanitätsbereichs zu verbessern, indem ich für Ordnung sorgte, eine Inventurliste aufstellte und unbrauchbares Verbandszeug und nicht mehr verwendbare Medikamente aussortierte. Als ich nach etwa vier Tagen mein Möglichstes im Sanitätsbereich umgesetzt hatte, ging ich der restlichen Besatzung bei anderen Arbeiten zur Hand. Bei den zahlreichen Crew-Besprechungen waren neben den Arbeiten am Schiff immer auch aktuelle Übergriffe auf Rettungsbote vor der Küste Libyens ein Thema. Der schlechte Zustand des Schiffs und die angespannte Sicherheitslage führten bei der Mehrheit der Crew letztlich zu der Entscheidung, die Mission vorerst zu verwerfen und die Sea-Eye vor Anker liegen zu lassen. Meine Enttäuschung war groß.

Unverhofft sollte ich dann allerdings doch noch eine Chance bekommen, in See zu stechen. Bei einem Abendessen mit der Besatzung unseres Nachbarschiffs – ein technisch einwandfreier ehemaliger Seenotrettungskreuzer mit dem Namen Minden – erfuhr ich, dass einige Besatzungsmitglieder kurzfristig abgesprungen waren. Zu dieser Zeit war schon besprochen, dass zwei Besatzungsmitglieder unseres Schiffs (Michael als Mechaniker und Eva als Deckhand) einspringen würden. Im Laufe des Abends fasste ich dann auch den Entschluss, mich als Ersatz auf der Minden bereitzustellen. So geschah es, dass aus den drei vorhandenen Besatzungsmitgliedern der Minden in Kooperation mit unserem Schiff eine sechs Mann starke Besatzung am 30.08.2016 in Richtung der Küste Libyens auslaufen konnte:

Kapitän Christian,
Schlauchbootführer Günter,
Rettungsschwimmer und Deckhand Dirk,
Mechaniker Michael,
Deckhand und Schlauchbootassistentin Eva
und ich als Mediziner und Deckhand.

Überfahrt zur Küste Libyens

Nachdem wir aus dem Hafen von Valletta ausgelaufen waren, begann die etwa zwanzigstündige Fahrt ins Einsatzgebiet vor Libyen. Ich konnte auch hier sehr schnell feststellen, dass ich von der Besatzung der Minden als Teil der Mannschaft angesehen wurde. Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir für meinen ersten Einsatz keine bessere Mannschaft wünschen können. Besonders unser erfahrener Kapitän Christian schaffte es, die Mannschaft mit seiner humorvollen und ruhigen, aber auch bestimmenden Art zu einer Einheit zu formen. Dies rang mir schon am Anfang und noch mehr am Ende der Mission enormen Respekt ab. Wir nutzen die Zeit der Überfahrt, um uns und das Schiff auf den nahenden Einsatz vorzubereiten und die Funktionen an Bord zu klären.

Erster Einsatz

Unsere erste Bewährungsprobe sollte schon am 1. September stattfinden. Unser Schiff wurde gegen 07:30 Uhr vom MRCC, der italienischen Seenotrettungsleitstelle in Rom, angerufen. Diese gaben dem Kapitän die Koordinaten eines vermuteten Flüchtlingsboots. Nachdem auch der zweite Motor der Minden gestartet war, begaben wir uns zum angegebenen Ort. Nach etwa vierzig Minuten konnten wir das voll besetzte Schlauchboot sichten und mit der ersten Kontaktaufnahme beginnen. Während sich die Besatzung unseres Beiboots fertig zum Auslaufen machte, wurde das erste Paket mit Schwimmwesten auf dem Boot verstaut.

Der Kapitän gab schnellstmöglich nach der Sichtung einen Seenotruf für das völlig überfüllte Boot ab. Leider sichteten wir relativ schnell ein zweites und drittes Flüchtlingsboot. Nachdem wir die Personen im ersten Flüchtlingsboot mit Rettungswesten ausgestattet hatten und ein Frachtschiff zu Absicherung erschienen war, entschieden wir uns, uns aufzuteilen und mit der Minden das zweite gesichtete Boot zu suchen, das sich inzwischen nicht mehr in Sichtweite befand. Glücklicherweise kontaktierten uns vermeintliche Fischer, die uns zum Flüchtlingsboot führten. Von weitem war bereits zu erkennen, dass dieses Boot bereits leck geschlagen und im Begriff war, zu sinken. Da wir in dieser Situation nur noch zu drei Mann auf der „Minden“ waren, blieb uns nichts Anderes übrig, als mit den Leuten auf dem Fischerboot zu kooperieren, obwohl diese sich in ihrem Verhalten nun immer mehr als Schlepper oder Hilfskräfte von Schleppern zu erkennen gaben.

Da die drei Männer auf dem Fischerboot nur sehr schlecht Englisch sprachen, mussten wir unsere Anweisungen mit Händen und Füßen verständlich machen, was zunächst auch gut funktionierte. Die drei Männer auf dem Fischerboot halfen uns, die auf der Minden verbleibenden Westen an die Flüchtlinge im Schlauchboot zu verteilen. Die Situation verschärfte sich leider, als die ersten Menschen aus dem mittlerweile sehr stark mit Wasser gefüllten Boot sprangen. Obwohl unser Schiff weder den Platz noch die Verpflegung für eine Aufnahme der Flüchtlinge hatte, mussten wir die Leute an Deck holen. Dies versuchten wir erst über eine Leiter an der Steuerbord-Seite unseres Schiffs. Schon in dieser Situation zeigte sich das harte Handeln der Männer auf dem Fischerboot. Die Flüchtlinge, die sie mit ihrem Boot zu uns brachten, wurden unter Geschrei und Schlägen schnellstmöglich auf unser Schiff getrieben. Diese angespannte Situation ließ sich leider auch nicht durch energisches Auftreten gegenüber den Schleppern und den Flüchtlingen entschärfen. Als die Schlepper nach drei bis vier Fahrten eigenständig entschieden, das Schlauchboot direkt an die Minden heran zu manövrieren, mussten wir uns innerhalb von wenigen Minuten darauf einstellen, dass gleich die Hölle losbricht.

Wir schafften es innerhalb der uns wenig verbliebenen Zeit, einen kleinen Gummisteg aus dem Heck unseres Schiffs zu schieben. Leider gestaltete sich das Aufnehmen der Flüchtlinge über diesen weg als schwierig. Nachdem einige wenige Flüchtlinge über diesen Weg auf unser Schiff gelangt waren – einige fielen nach wenigen Metern an Deck vor Erschöpfung um – waren wir gezwungen, die restlichen Menschen über die hintere Backbordseite aufzunehmen. Dazu mussten wir es irgendwie schaffen, die sichtlich erschöpften Menschen auf unser Schiff und über die Reling zu bekommen. Wir befestigten als erstes wieder ein Seil zwischen der „Minden“ und dem Schlauchboot. Dieses sorgte dafür, dass das Flüchtlingsboot sich nicht weiter von dem Schiff entfernen konnte. Trotzdem war der Spalt immer noch so groß, dass die Flüchtlinge, wenn sie nicht genau aufpassten, ins Wasser fallen konnten. Als wir alle Möglichkeiten zur sicheren Aufnahme der Menschen ergriffen hatten, stellten wir drei verbliebenen Besatzungsmitglieder uns an die Reling, gaben die Kommandos zum Übersteigen und nahmen die Menschen auf.

Wenn man das Geschehene bis jetzt schon als für mich persönlich als einschneidend bezeichnen kann, begann jetzt der Teil des Einsatzes, der am ergreifendsten für mich war. Man sah nun diese Menschen direkt vor sich und konnte ihre Emotionen hautnah erfahren. Vielfach konnte man neben der Angst und Verzweiflung auch Freude und Erleichterung in den Augen der Flüchtlinge sehen. Trotz meiner Erfahrung im Rettungsdienst berührte mich diese Eindrücke sehr.

Das Übersteigen der Flüchtlinge auf unser Boot gestaltete sich trotz ständiger Aufforderungen zu Ruhe und Besonnenheit als sehr schwierig. Mehrfach waren wir gezwungen, die Menschen mit lauten Schreien und sogar durch physisches Zurückdrängen auf ihr Boot dazu zu zwingen, nicht unkontrolliert auf unser Schiff zu steigen und somit sich und andere zu gefährden. Auch dies funktionierte natürlich nicht immer, so dass unsere Besatzung mehrfach die unkontrolliert übersteigenden Menschen nur knapp zu fassen bekam, um sie an Deck zu ziehen. So fiel eine schwangere Frau mitsamt ihrem Mann zwischen die Minden und das Schlauchboot. In diesem Moment zeigte sich, dass auch die Schlepper auf dem Fischerboot keine herzlosen Unmenschen waren: Bevor Dirk und ich ins Wasser springen konnten, eilte einer der Schlepper unter Gefahr für sein eigenes Leben zu Hilfe und hievte beide Flüchtlinge wieder auf das Schlauchboot.

Sicherlich sind es wirtschaftliche Motive, die die Schlepper antreiben. So wie bei den Flüchtlingen muss man sich aber auch hier die Frage stellen, welche Umstände die Menschen dazu zwingen, ihr Geld als Schlepper zu verdienen. Dem Alter nach mussten alle Familien zu versorgen haben.

Am Ende der Rettungsaktion hatten wir alle 166 Menschen mit unseren eigenen Händen heil an Bord der Minden gebracht. Erleichtert und erschöpft machten wir uns auf den Weg zurück zu unserem Beiboot, das immer noch beim ersten, noch intakten Flüchtlingsboot lag. Da uns über Funk aus Rom gesagt wurde, dass wir wohl noch einige Zeit auf ein größeres Schiff warten müssten, entschieden wir uns, an die auf der Minden aufgenommenen Menschen Wasser zu verteilen, denen die Salzkristalle auf der Haut standen.

Eine Stunde später war es endlich soweit. Die Vos Chablis und ein Kleinboot der italienischen Küstenwache näherten sich. Das Kleinboot fuhr direkt unser Beiboot und das erste Flüchtlingsboot an. Die wesentlich größere Vos Chablis dagegen legte Steuerbord an uns an und öffnete ihr Schiff für unsere Flüchtlinge. Da die Vos unter Libyscher Fahne fährt, mussten wir den Geflüchteten noch erklären, dass dieses Schiff sie nicht zurück nach Libyen, sondern nach Italien fährt. Nachdem die Flüchtlinge von der Minden auf die Vos Chablis gewechselt waren, enttauten wir uns und gingen auf Abstand, damit das Kleinboot der Küstenwache die von unserem Beiboot aufgenommenen Flüchtlinge ebenfalls übergeben konnte. Aus der Entfernung konnten wir sehen, wie das nun leere Schlauchboot der Flüchtlinge von der Küstenwache zerstört wurde. Dies ist die normale Handhabe mit aufgefundenen Booten. Aus dem Augenwinkel sahen wir auch, dass die uns bekannten Männer auf dem Fischerboot uns in der Hoffnung auf das Schlauchboot gefolgt waren und nun zusahen, wie es versank.

Der Wermutstropfen des eigentlich erfolgreichen ersten Einsatzes war das dritte Flüchtlingsboot, das wir nicht mehr sichten konnten. Erst später erfuhren wir erleichtert, dass ein anderes Schiff diese gefunden hatte.

Nach der ersten Rettung

Am Ende des Tages banden wir unser Beiboot an der Minden fest und entfernten uns vom Suchgebiet auf etwa 36 Seemeilen. Nun hatten wir Zeit, die vergangenen Ereignisse Revue passieren zu lassen und in kompletter Besatzung über unsere Gedanken und Erlebnisse zu sprechen. Die Besatzung unseres Beiboots berichtete, dass die Flüchtlinge, die sie betreut hatten, vor Erleichterung über die Rettung gesungen hatten. Sie berichteten aber auch, dass einige kurzzeitig das Bewusstsein verloren hatten, weil sie völlig dehydriert gewesen waren.

Da dies nicht unser letzter Tag auf See war, begann relativ schnell wieder der nächtliche Wechsel zwischen Wache und Freiwache.

In den nächsten Tagen herrschte auflandiger Wind und wir hatten keine Sichtung von Flüchtlingsbooten. Wir sahen aber verschiedene Schiffe der anderen Organisationen und sogar einen Minenjäger der Deutschen Bundeswehr. Ich muss zugeben, dass es ein schönes Gefühl war, die vertraute Flagge Deutschlands zu sehen. Neben den üblichen Wachen nutzen wir die Zeit, um Arbeiten am Schiff und am Beiboot zu erledigen. Ich nutze diese Zeit auch, um persönlich über das Geschehene nachzudenken.

Ich war vor meiner Reise von einzelnen Personen als „Gutmensch“ bezeichnet worden. Von nun an wollte ich diese Beleidigung als Kompliment verstehen. Wenn das, was wir tun, einen Menschen zum „Gutmenschen“ macht, dann trage ich diese Bezeichnung gerne.

Auf der anderen Seite dachte ich darüber nach, dass das Zusammenarbeiten und die Kommunikation zwischen den verschiedenen Rettungsorganisationen im Suchgebiet wirklich verbesserungsfähig sind. Wann immer Schlauchboote gesichtet wurden, war die Absprache zwischen den Hilfsorganisationen mangelhaft. Jedes Schiff versuchte, eigenständig die Koordinaten zu erreichen. Würde man sich untereinander abstimmen und sich besser über die Koordinaten austauschen, könnte man wesentlich effektiver arbeiten. Hier schlägt der unbedingte Wille zu helfen offensichtlich Kapriolen.

Zweiter Einsatz

Als sich das Wetter nach vier Tagen endlich besserte, bekamen wir um 6 Uhr morgens Mitteilung von einer Sichtung durch die libysche Küstenwache. Da sich nun mehrere Rettungsschiffe im Einsatzgebiet befanden, gestaltete sich dieser Einsatz wesentlich einfacher und weniger dramatisch als beim letzten Mal. Nachdem wir zusammen mit Iuventa der Organisation „Jugend rettet“ eine organisierte Suche durchführen konnten, sichteten wir zwei Flüchtlingsboote. Zusammen mit der Iuventa versorgten wir die Personen mit Rettungswesten.

Die Menschen wurden nach kurzer Zeit von einem Rettungskreuzer der italienischen Küstenwache aufgenommen. Die benutzen Rettungswesten der Minden und der Iuventa sollten zur erneuten Benutzung wieder an uns übergeben werden; dafür mussten wir dieses Mal selbst in die der Flüchtlingsboote steigen, die durch die Strapazen mit dem Kot und Erbrochenen der Flüchtlinge bedeckt waren.

Nachdem wir die Westen zur Reinigung an Bord der Minden gebracht hatten, wurden die Flüchtlingsboote von den Mitarbeitern der Küstenwache vor Ort zerstört. Nachdem wir den Rest des Tages keine Sichtung mehr hatten, entfernten wir uns einige Seemeilen von der Küste weg und bereiteten uns auf die letzte Nacht vor der Libyschen Küste vor.

Rückkehr nach Malta

Obwohl auch für den nächsten Tag geeignetes Wetter gemeldet war, sichteten wir am letzten Tag kein Boot mehr und begannen gegen Mittag die zwanzigstündige Rückfahrt nach Malta. Auch diese verlief bis auf eine kleine Schlechtwetterfront ohne Probleme.

Die Besatzung war froh, als die Küste Maltas am frühen Mittag am Horizont auftauchte. Mit dem Einlaufen in den Hafen von Malta endete meine Zeit auf See. Die restlichen fünf Tage verbrachte ich damit, das Schiff zu säubern und mir anschließend die Insel anzuschauen.

Schlusswort

Ich hoffe, dass mein Bericht mehr Menschen auf die Situation im Mittelmeer aufmerksam macht und sie dazu ermutigt, selbst aktiv zu werden. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal bei allen Beteiligten, genannten und nicht genannten gleichermaßen, herzlich bedanken. Ihr habt diese Zeit zu einer der besten und einprägsamsten meines Lebens gemacht.

Text: Michael Moczulski

Bilder:Michael Moczulski, Günther Kloppert, Dirk Kleeschulte